Corona und Konsum

Corona und Konsum

Der Weg zu einem bewussten Umgang mit Textilen

 

Seit Corona in unser Leben gekommen ist, wird oft ein Wandel im Konsumverhalten beschworen. Es heißt dann immer, das Höher, Schneller, Weiter wie vorher wird es danach nicht mehr geben. Aber ist das wirklich so?

 

Uns ist vor allem aufgefallen, dass seit Corona unsere Papier- und Mülltonnen explodieren - wegen der ganzen Verpackungen unserer Nachbarn von Amazon und Essenslieferdiensten. Bei uns entsteht leider der Eindruck, dass die Mehrheit auf einen Impfstoff wartet, damit alles wieder weitergeht wie vorher.

 

Aber warum ist nachhaltiges Konsumverhalten eigentlich so schwer? Wir meinen, teils ist es anerzogen, teils Bequemlichkeit aber ein Hauptgrund könnte sein, Nachhaltigkeit ist einfach oft kompliziert und unbequem. Und sobald Dinge anstrengend werden, verlieren viele Menschen schnell die Lust daran.

 

 

Sinnbild für dieses Problem ist das Logo von der nachhaltigen Plattform Avocado Store - eine Avocado. Grünes, hippes Superfood aber eine Katastrophe was Wasser und Co² Bilanz angeht, machen sich aber die wenigsten bewusst. Wie könnte man aber die Sache dann angehen?

 

Fangen wir doch mit Lebensmitteln an. Mal überlegt, wie es sein kann, dass Discounter 3 Kilo Äpfel für 90 Cent anbieten? Ob das nur über die Masse geht finden wir fraglich. Oder warum Eigenprodukte von Discountern um die Hälfte billiger sind als Markenprodukte? Wo kommen die Zutaten her, auf welchen Wegen und zu welchen Konditionen? Das Problem ist, dass wir uns alle über Jahre so daran gewöhnt haben, dass wir diese Preise normal finden. Aber was haben wir unterm Strich wirklich davon? Unserer Meinung nach vor allem schlechtere Lebensmittel als manche andere Länder. Wir hatten öfter das Vergnügen, in Italien zu sein und in hiesigen Supermärkten einzukaufen. Die Lebensmittel dort sind zwar teurer als bei uns aber in Qualität und Geschmack um Klassen besser. Ähnliche Erlebnisse hatten wir in Frankreich und Spanien.

 

Warum nur greift bei uns überall die deutsche Volkskrankheit - Alles muss schööön billig sein! Und dann aber natürlich beste Qualität. Sorry, das geht einfach nicht. Qualität hat immer einen Preis. Oft kommt als Argument, nicht alle können sich teurere Lebensmittel leisten. Wir denken, die Mehrheit kann sich das leisten.  Und eine ganz entscheidende Frage, die sich jeder beim Einkaufen stellen sollte:

 

Kann ich`s mir nicht leisten oder will ich`s mir nicht leisten?

Die Frage lässt sich schnell beantworten - wie viel Geld gebt Ihr für Handy, Netflix und einen Grill aus und wie viel für Grillfleisch oder Kleidung? Beobachten kann man oft folgende Konstellation, auf der Terrasse steht der Supergrill für xhundert Euro, die Koteletts kauft man bei Aldi für 2,99. Dabei wäre es schon ein Anfang, auf regionalen Wochenmärkten einzukaufen. Das würde neben Co² beim Transport auch eine Menge Verpackungsplastik sparen.

 

Ähnlich verhält es sich mit Kleidung. Allerdings ist das Thema noch wesentlich schwerer zu durchschauen als Lebensmittel. Nach unseren Erlebnissen kommen wir zu dem Schluss - zu den Preisen im Einzelhandel kann Kleidung nicht unter humanen und nachhaltigen Bedingungen produziert werden. Seit ca. 30 Jahren kommt der Großteil unserer Textilien aus Asien. Und auch hier hat man sich an die niedrigen Preise gewöhnt.

Möglich ist das auch durch Massenproduktionen, nur wenn man sieht, wie viel Kleidung bisher im Schlussverkauf übrig blieb, kann man das System durchaus hinterfragen. Vor allem, was passiert mit den Tonnen von Kleidung bei Saisonende?

 

Wir werden z. B. auch immer wieder gefragt, warum unsere Bademäntel einen höheren Preis haben?

Der Hauptgrund liegt im verwendeten Material. Frottier aus Bambus ist ein sehr hochwertiger Stoff, vor allem, wenn er aus Italien kommt. Er temperiert die Haut, nimmt Feuchtigkeit leicht auf und hat eine fantastische Qualität. Darüber hinaus wirken sich Machart und Verarbeitung sehr unterschiedlich auf die Preise aus. Unsere Modelle haben z. B. einen wesentlich aufwändigeren Schnitt als die meisten Bademäntel. Das näht sich nicht mal schnell in einer Stunde.

 

Viele Menschen haben keine Vorstellung, was nähen für eine harte, komplexe Arbeit ist. Und darum gibt es auch fast nur noch überall dieselbe Massenware einer handvoll Firmen. Ein kleines Label hat kaum eine Chance mehr auf den Markt bzw. in den Handel zu kommen. Der Preisdruck ist einfach nicht stemmbar. Dabei wär`s doch machbar, wenn die Konsumenten einfach mal wieder Qualität vor Quantität und Preis setzen würden.

 

Beim Morgenmantel wie auch beim Bademantel bestimmen auch die Kosten am Produktionsstandort den Preis. Sicher wäre eine Herstellung in Asien oder Afrika billiger. Allerdings ist das nur sinnvoll in sehr großen Mengen, die wir gar nicht abnehmen könnten, vom Co² Ausstoß beim Transport ganz zu schweigen. Wir produzieren in Europa (Ungarn), was für mehr Sicherheit, kürzere Wege und bessere Sozialstandards sorgt. Bei billiger Kleidung sollte man immer bedenken, unter welchen Arbeits- und Lebensumständen sie von wem hergestellt wird, damit solche Preise erzielt werden können.  

 

 

"Viele Probleme unserer Zeit gäbe es nicht, wenn die Menschen mehr hinterfragen würden" 

Vivienne Westwood